Lakrids by Johan Bülow hat Töpferin Julie Bonde in ihrer – sehr warmen – Werkstatt im Viertel Nørrebro in Kopenhagen besucht


Julie Bonde in ihrer Werkstatt im Viertel Nørrebro in Kopenhagen.

Kennen Sie das Gefühl, wenn man aus dem Flugzeug steigt und auf einer tropischen Landebahn ankommt? So ungefähr fühlte es sich an, als wir die Werkstatt von Uh La La Ceramics an einem kühlen Frühlingstag in Kopenhagen betraten, wo gerade zwei Öfen mit neu gebrannter Keramik geöffnet wurden. Die Wärme schlägt einem mit voller Kraft ins Gesicht. Im Laufe der Nacht erreichen die Öfen eine Temperatur von stolzen 1.250 Grad und werden dann langsam kälter, damit die Porzellanglasur keine Risse bekommt.

Julie Bonde ist die Besitzerin von Uh La La Ceramics. Sie hat ihre Ausbildung an der Designschule der Königlichen Dänischen Kunstakademie abgeschlossen und bei Royal Copenhagen gearbeitet, bevor sie sich selbstständig gemacht hat. Jetzt verkauft sie ihre Keramik bei Stilleben und Illums Bolighus in Kopenhagen und Designerläden in Stockholm, Wien, New York, Los Angeles, Chicago und Seoul.


Flüssiges Porzellan wird in Gipsformen gefüllt.

Alles ist handgefertigt
Sie fertig außerdem Teller und Schalen für Toprestaurants wie Relæ und Geranium. Es ist für Julie Bonde ein herausfordernder Prozess, hunderte von Tellern, die von den Restaurants benötigt werden, von Hand zu fertigen.

„Indem ich alles selbst mache, habe ich den engsten Kontakt mit der Fertigung, den man sich vorstellen kann, was meine Arbeit hier und jetzt unglaublich flexibel für neue Änderungen und Experimente macht. Außerdem bietet die Arbeit im Studio die Möglichkeit eines sehr hohen Niveaus der Materialästhetik, Vielfältigkeit der Form, Glasur und Lehm, da mit unhandliche und herausfordernde Techniken und Materialien gearbeitet werden kann, die in der Industrie aufgrund der Menge nicht verwendet werden“, erzählt Bonde.


Das gehärtete Porzellan befindet sich an der Oberfläche der Form. Überschüssiges Porzellan wird abgegossen.

Lange Fertigungszeit
Es kann Wochen dauern, Teller für ein Restaurant zu fertigen, da der Prozess handgefertigter Keramik sehr zeitaufwendigen ist. Ein Beispiel dafür sind Julie Bondes beliebte Bonbonnieren:

1. Tag
Flüssiges Porzellan wird in eine Gipsform gefüllt und härtet an der Oberfläche der Form. Die Kanten werden in Form geschnitten und mit einem Schwamm bearbeitet.

2. Tag
Die Oberfläche und Kanten werden erneut mit einem Schwamm und Messer bearbeitet und werden einen weiteren Tag getrocknet.

3. Tag
Das Gefäß wird bei einer Temperatur von maximal 1.000 Grad für anderthalb Tage gebrannt.

4. Tag
Das Gefäß wird mit einer transparenten Glasur glasiert und trocknet erneut bis zum folgenden Tag.

5. Tag
Die Außenseite des Gefäßes wird in farbige Glasur getaucht, Kanten und Boden werden abgetrocknet und mit einem Stempel versehen, bevor es im Ofen gebrannt wird.


Glasuren werden bei Temperaturen von bis zu 1.250 Grad gebrannt.

Bonbonniere bedeutet Bonbonglas
Julie Bonde bekam die Idee mit dem Bonbonniere-Design, weil sie gerne einen Geschenkartikel entwerfen wollte, der gleichzeitig funktionell ist. „Als ich sie entworfen habe, war ich ziemlich verliebt in elliptische Formen. Man kann sie einfach als ein hübsches Objekt verwenden, aber auch als Aufbewahrungsmöglichkeit – zum Beispiel für Lakritze“, sagt Bonde mit einem Lächeln und erzählt, dass Bonbonniere das französische Wort für Bonbonglas ist.

Wenn das Bonbonglas leer ist, kann es als alles von Schmuckkästchen bis zur Tischdekoration verwendet werden. Julie Bonde hatte einen Kunden, der das Schälchen für Geschirrspültabs verwenden wollte. „Das ist unglaublich extravagant“, lacht sie.


Wenn keine Lakritze mehr übrig sind, kann das Schälchen zum Beispiel als Schmuckkästchen verwendet werden.